Was ist Monotheismus, was ist Theismus? Bisher wurde beides noch nie klar unterschieden, doch die Erklärungen des vorliegenden Buches zeigen, daß der Unterschied so gewaltig ist wie der zwischen Krieg und Frieden, Haß und Versöhnung, „Dunkelheit“ und „Licht“.

„Religion ist Illusion und eine Bedrohung für die Welt“, sagen heute viele atheistische Religionskritiker. – Doch der Atheismus ist nur die andere Seite des Monotheismus! Und viele Atheisten sind eigentlich keine A
theisten, sondern Amonotheisten.

Atheismus und Monotheismus prägen den Kurs der Menschheit seit über 2000 Jahren, und die Weltgeschichte zeigt, daß beide Seiten den Menschen weder Frieden noch wirkliche Vernunft gebracht haben. Armin Risi beleuchtet die philosophischen und praktischen Konsequenzen dieser Weltbilder und beschreibt den „radikalen Mittelweg“ des Theismus. Mittelweg bedeutet nicht Mittelmäßigkeit und Durchschnitt, auch nicht bloß Synthese der Gegensätze, sondern Überwindung der Gegensätze. 

(Klappentext des Buches „Der radikale Mittelweg“)


Für die Teilnahme in theistic-network.org wird die Kenntnis der Inhalte des Buches „Der radikale Mittelweg“ vorausgesetzt. Dieses Buch enthält auch ein ausführliches Studienglossar (1. Philosophische Grundbegriffe; 2. Sanskritbegriffe).

Auf der Website
theistic-network.org geht es nicht um philosophische Abhandlungen (hierfür siehe: armin-risi.ch), sondern um eine Koordination der praktischen Vernetzung. Zur Darlegung des Inhalts und auch der Bedeutung und Brisanz der theistischen Weltsicht sollen hier jedoch die Bedeutung der wichtigsten Begriffe kurz beschrieben werden.
Jedes Weltbild geht von grundlegenden Annahmen aus, die vom eigenen Glauben und von der eigenen Definition von „Realität“ abhängig sind. Realität ist das, von dem alles Relative abhängig ist, ist letztlich also etwas Absolutes. Deshalb lautet die Überschrift eines der ersten Kapitel im Buch Der radikale Mittelweg: "Jeder glaubt an etwas Absolutes."

Alle glauben an etwas Absolutes, auch die Atheisten. Sie glauben an die Absolutheit der Materie, indem sie sagen, es gebe nur Materie und nichts Übernatürliches (= Materialismus), das heißt, es gebe nur das materiell-physikalische Universum und keine höherdimensionalen Welten. Diejenigen Weltbilder des Atheismus, die nicht nur materialistisch sind, akzeptieren auch die Existenz höherdimensionaler Welten, sehen diese aber einfach als Erscheinungsformen der materiellen Energie, die für sie die absolute Realität darstellen. Dies sind die Weltbilder des Deismus, Okkultismus und des (atheistischen) Monismus. Mit anderen Worten: Jeder Materialist ist ein Atheist, aber nicht jeder Atheist ist ein Materialist.

Atheismus bedeutet: Man glaubt, das Absolute sei eine neutrale, abstrakte Energie (die Materie; die Totalität aller materiellen Energie; die Einheit; die Nondualität).

Das Problem hierbei ist folgendes: Wenn man glaubt, das Absolute sei nichts anderes als eine neutrale, abstrakte Energie, glaubt man auch, das Absolute habe kein Bewußtsein und keinen Willen und daher auch keine Liebe. Das Absolute aus atheistischer Sicht ist bewußt-los, willen-los, sinn-los, lieb-los, gnaden-los.

Deutlich (und ehrlich) formuliert dies Richard Dawkins in seinem Buch 
River out of Eden – A Darwinian View of Life (1995):
 
„Das Universum, das wir beobachten, hat genau die Eigenschaften, mit denen man rechnet, wenn dahinter kein Plan, keine Absicht, kein Gut oder Böse steht, nichts außer blinder, erbarmungsloser Gleichgültigkeit.“ (Dawkins: 
Und es entsprang ein Fluß in Eden, S. 151. In einem Interview mit dem Magazin Focus – 52/1996, S. 145 – sagte Dawkins wörtlich dasselbe, und auch in Schmidt-Salomons Manifest des evolutionären Humanismus wird diese Stelle mit voller Zustimmung als Glaubensbekenntnis zitiert; auf S. 25f.)

In atheistischen Kreisen wird dieses Absolute als „Chaos“ bezeichnet. „Chaos“ bezeichnet einen Urzustand, in dem noch nichts existiert (= reine Potentialität). „Chaos“ bedeutet also nicht „Unordnung“, sondern „keine Ordnung; Nullordnung“; im Chaos gibt es noch nichts, was „Ordnung“ oder „Unordnung“ schafft. Während dieses Absolute („Chaos“) kein Bewußtsein und keinen Willen hat, hat jedoch der Mensch Bewußtsein und Willen. In diesem Weltbild sieht der Mensch sich als höchste wirkende Instanz. Der Mensch ist „Gott“ („Humanismus“ im Gegensatz zum Theismus).

Der atheistisch-humanistisch denkende Mensch sieht sich als eine Instanz, die höher ist als das „Chaos“; und die entsprechend „Erleuchteten“ meinen, sie seien berufen, mit ihrem Bewußtsein und Willen aus dem Chaos Ordnung zu schaffen. Deshalb lautet einer der zentralen Slogans in diesen Kreisen in lateinischer Formulierung
ordo ab chao: „Ordnung aus dem Chaos“. 

Dieses Weltbild führt in seinen Extremen (und auf den entsprechenden einfluß-reichen Ebenen) zu einer Haltung des Elitismus und der exklusiven Machtstrukturen und schnell auch zu einer Bereitschaft zu Verheimlichungen, Manipulationen usw.

Aus theistischer Sicht ist der Atheismus in all seinen Formen (vom Materialismus bis zum Monismus) eine halbe Wahrheit und stellt die eine Seite der Spaltung dar – jener Spaltung, die den Kurs der Menschheit schon seit mehr als 2000 Jahren prägt. Auf der einen Seite führt diese spaltende Kraft zum Atheismus, auf der anderen Seite zum Monotheismus.

Atheismus: Überbegriff für die Glaubenssysteme des Materialismus, Deismus und Monismus, die die Individualität Gottes verkennen oder ablehnen und lehren, die absolute Realität beschränke sich auf die Nondualität, die Neutralität, die materiell-potentielle Einheit, die Totalität der Materie oder die physikalische Materie. Die meisten dieser Systeme gründen im Glauben an eine hypothetische „Selbstorganisation“ der Materie bzw. der materiellen Energie. Als Abgrenzung gegenüber jenen atheistischen Systemen, die auch antitheistisch sind, ist der Begriff Nontheismus möglich. zurück
Monotheismus ist der Glaube an einen einzigen Gott, der sich nur durch eine bestimmte heilige Schrift und durch eine bestimmte religiöse Glaubensform offenbart. Alle anderen Religionen werden als falsche Lehren und Irrwege gesehen. Monotheismus hat immer mit Monopolansprüchen zu tun.

Heute werden das Judentum, das Christentum und der Islam als monotheistische Religionen bezeichnet, womit gesagt werden soll, dass sie einen Ein-Gott-Glauben vertreten. Da der Begriff „Monotheismus“ aber eine einseitige, problematische Sonderform des Theismus darstellt, ist „abrahamitisch“ für diese drei Religionen ein besserer Überbegriff. Das Judentum, das Christentum und der Islam sind von ihrem Ursprung und ihrem Kern her nicht monotheistisch, sondern theistisch.

Das Problem des Monotheismus ist offensichtlich: Gott wird auf die Vorstellung einer bestimmten Konfession beschränkt, und alle anderen Religionen und Philosophien, die nicht diesen konfessionellen Vorstellungen entsprechen, werden als falsch und/oder minderwertig bezeichnet, was direkt oder indirekt zur Überzeugung führt, man dürfe und müsse alle „anderen“ bekehren oder bekämpfen und unterwerfen. Dieser Gott ist ein liebloser und gnadenloser Gott, denn „Gnade“ lässt er – gemäss diesen Weltbildern – nur walten, wenn sich jemand der entsprechenden Religion anschließt oder sich ihr unterwirft. Alle, die dies nicht tun, so besagt dieser Glaube, führen ein sinnloses und wertloses Leben und kommen in die Hölle, egal wie gut und wohltätig sie als Menschen gelebt haben. („Nicht deine Werke retten dich, sondern dein Glaube.“)

Aus theistischer Sicht ist der Monotheismus – in welcher religiösen Ausprägung auch immer – eine halbe Wahrheit und führt zu vielfältigen Spaltungen unter den Menschen, vor allem unter den Religionen selbst. Atheismus und Monotheismus sind die beiden Seiten derselben Spaltung, und solange die Menschen in diesen Einseitigkeiten leben und sich auf ihre atheistischen bzw. monotheistischen Positionen beschränken, unterliegen sie der spaltenden Kraft und dienen ihr direkt oder indirekt. „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.“

Monotheismus ist der Glaube an einen einzigen Gott, Theismus der Glaube an einen absoluten Gott. 

Monotheismus: (von grch. monos, „eins, einzig, allein“) Glaube an einen einzigen Gott, der im Gegensatz zu allen anderen Religionen und Philosophien steht; erzeugt eine religiöse Ideologie, die eine bestimmte Gottesvorstellung als die einzig wahre herausgreift und verabsolutiert; eine Form des Dualismus.
Monotheismus ist der Glaube an einen einzigen Gott, Theismus der Glaube an einen absoluten Gott. 
„Absolut“ bedeutet „ungebunden, ohne Bedingungen, nicht vom Relativen abhängig“. Der eine, absolute Gott ist allumfassend, unbegrenzt und offenbart sich deshalb überall und zu allen Zeiten in jeder Religion und Kultur, unabhängig von Ritualen und Schriften, aber sehr wohl
durch Rituale und Schriften. Das Absolute beinhaltet das Relative, ohne selber vom Relativen abhängig zu sein oder sich durch das Relative zu definieren. Das Absolute und das Relative (das Spirituelle und das Materielle; Gott und die Welt) sind nicht Gegensätze, sondern Aspekte der Ganzheit Gottes, die sowohl die Einheit als auch die Vielfalt umfasst.

Jeder glaubt an etwas Absolutes: Materialisten glauben an die Absolutheit der Materie, atheistische Monisten glauben an die Absolutheit der Totalität von Energie oder an die Absolutheit der Nondualität. Der Theismus erweitert die Erkenntnis und Wahrnehmung von Realität und sieht nicht nur die Nondualität, sondern auch die Individualität der göttlichen, allumfassenden Ganzheit. „Individualität“ bedeutet: die Eigenschaft, ein Individuum zu sein. „Individuell“ bedeutet „unteilbar, ungeteilt“, d. h. ewig (= nicht in die Polarität von Vergangenheit und Zukunft aufgeteilt). „Individuum“ bedeutet daher im metaphysischen, theistischen Begriffszusammenhang: ungeteiltes, ewiges Sein und Bewußt-Sein mit Willen und Wahrnehmung. Dies bezieht sich auf die Ganzheit, d. h. sowohl auf das Relative als auch auf das Absolute, sowohl auf uns als auch auf Gott. Gott ist „Individuum“: ungeteiltes, ewiges Sein und Bewußt-Sein mit Willen – und wir sind Individuen, unsterbliche bewußte, ewige geistige Wesen, deren Leben nicht auf die Existenz des jetzigen materiellen Körpers beschränkt ist. 

Nur weil Gott „individuell“ ist, konnte Jesus beten: „Dein Wille geschehe!“ Wäre das Absolute nichts anderes als Energie, Totalität und Nondualität, wäre das Gebet „Dein Wille geschehe!“ absurd und sinnlos, weil dieses Absolute keinen Willen hätte. Erst wenn wir auch die Individualität Gottes wahrnehmen und erkennen, wird für uns der Wille Gottes zu einer lebendigen Realität. Die Vollkommenheit des Willens ist die Liebe: das bewußte Eins-Sein des Teiles mit dem Ganzen, das bewußte Eins-Sein des relativen Individuums mit Gott. In diesem bewußten Sein sind wir eins und verbunden, individuell und doch nicht getrennt. Dies meinte Jesus, als er sagte: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30). Er sagte nicht: „Ich bin der Vater“, oder: „In der Einheit gibt es weder mich noch den Vater.“ „Ich und der Vater sind eins“ ist die Realität der Liebe. Nur im Bewußtsein der Liebe können wir diese göttliche Ganzheit und Realität wahrnehmen. Jedes andere Bewußtsein verfehlt diese Realität, ist nicht mehr Ausdruck von Liebe und führt in irgendwelche Formen von Einseitigkeit, Illusion, Verblendung, Egoismus und Extremismus: in die Extreme des Atheismus und Materialismus oder in die Extreme des Monotheismus und Fundamentalismus.

Gott als die lebendige, individuelle Ganzheit umfasst -- aus unserer menschlich-analytischen Sicht – drei Aspekte: die Allpräsenz, die Immanenz und die Transzendenz. (Keiner dieser Aspekte sollte isoliert und verabsolutiert werden.)

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Das Absolute ist nicht einfach die Summe alles Relativen. Es ist nicht so, dass wir alle zusammen „Gott“ sind. Das Absolute, der „individuelle“, lebendige Gott, ist eine unabhängige, allumfassende und allbewußte Realität, so wie Licht unabhängig von allen Schatten und unabhängig von aller Dunkelheit ist und durch Schatten und Dunkelheit nicht begrenzt wird. Das Absolute steht jedoch nicht im Gegensatz zum Relativen. Die lebendige Ganzheit und Einheit von uns und Gott und Gott und Welt wird im Bewußtsein der göttlichen Liebe erkennbar und als Realität erlebbar. Dies ist nicht mehr eine Frage von Philosophie und Theologie, sondern eine Dimension der persönlichen Mystik.

Nur im Theismus ist Liebe die höchste, wirkliche Realität. Im Atheismus und Monotheismus ist Liebe nicht die höchste Realität und deshalb auch nicht das absolute Kriterium für alles Handeln. Dieses Bewußtsein der Liebe und Harmonie („Hingabe“; im Sanskrit
bhakti genannt, im Arabischen islam, usw.) ist der Kern aller Religionen, Lebensphilosophien und Mysterienschulen.

Theismus ist nicht „Religion“ oder „Konfession“ im institutionellen Sinn, sondern eine innere Ausrichtung und Geisteshaltung als Ausdruck eines allumfassenden, differenzierten und „vernünftigen“ und zugleich individuell-mystischen Gottesbewußtseins. Menschen mit diesem Bewußtsein und mit dieser wahren Menschen- und Gottesliebe finden sich in allen religiösen und säkularen Kreisen, und diese Menschen sollten sich heute finden und vernetzten. Dies ist der Inhalt des letzten Kapitels im Buch
Der radikale Mittelweg: Kap. 32, „Vision, Vernetzung und die nächsten Schritte“.

Dieser Vernetzung dient die vorliegende Website.

Theismus: (von grch. theós, „Gott, Gottheit“) integrierendes, differenziertes Gottesbewußtsein; gründet im Glauben an den absoluten Gott, der „inklusive“, integrierend und allumfassend ist; sieht Gott als Ganzheit, die sowohl Energie und Einheit als auch Individuum ist, das eine ungeteilte Sein und Bewußtsein mit Willen, Liebe und Gnade; beinhaltet die Erkenntnis, daß die göttliche Realität (= Ganzheit) ewiglich individuell („eins und unteilbar“) ist und daß dieses gleichzeitige Eins- und Individuellsein der Teile und des Ganzen (Liebe) die wirkliche Realitat ist; alles andere ist Illusion. Der Theismus beschränkt Gott nicht auf eine bestimmte Vorstellung, sondern erkennt die Allpräsenz, die Immanenz und die Transzendenz als nicht zu trennende Realitäten; sieht das Absolute sowohl als Nondualität als auch als Individualität („ungeteiltes, ewiges Sein und Bewußtsein“). Der Theismus ist nicht eklektisch oder synkretisch, denn er übernimmt nicht einzelne Elemente anderer Philosophien und Religionen, sondern gründet in der gemeinsamen Essenz von Philosophie und Religion, was zu einer holistischen und integralen Weltsicht führt.

 
Theistisch: den Theismus betreffend, im Theismus gründend, d. h. vom Geist eines ganzheitlichen Gottesbewußtseins erfüllt; „religiös“ in einem universellen, überkonfessionellen Sinn; ist neben „esoterisch“ und „spirituell“ ein neuer, dritter Begriff für alle Weltbilder, Aktivitäten und Projekte, die über den Materialismus hinausgehen und ein integrales Gottes- und Weltverständnis anstreben, wobei der Begriff „theistisch“ deutlich macht, daß dieses Bestreben nicht einem Monismus, einer atheistischen Esoterik oder einem Okkultismus unterliegt. zurück

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Armin Risi

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